Als der Berliner Bankier Delbrück das Potenzial des Usedomer Ostseestrandes von Heringsdorf (damals hatte der Ort noch keinen ansprechenden Namen) erkannte, stand der breite, weiße und steinfreie Sandstrand Usedoms im Vordergrund jeglichen Fremdenverkehrs. Alsbald entstanden solche traditionsreichen Usedomer Ostseebäder, wie Swinemünde, Heringsdorf und Zinnowitz. Niedrige Zinsen in der Gründerzeit nach dem gewonnenen französich-deutschen Krieg regten eine beträchtliche Investitionstätigkeit nicht nur auf Usedom an. Strandpromenaden mit prächtigen Bädervillen, Strandhotels, Seebrücken und artig geordneten Badestränden entstanden.
Schon bald hatten die rennomierten Ostseebäder der Insel Usedom eine urbane Struktur angenommen und ein belebtes, zuweilen hektisches Treiben hervorgebracht. Bahnanbindung und Straßenbauprojekte führten mehr Urlaubsgäste auf die Insel Usedom - neue Unterkünfte entstanden. Nach dem Kriege dauerte es Jahre, bis, nunmehr unter der Herrschaft des FDGB und der SED, alte Besucherrekorde auf Usedom eingestellt wurden. Enteignete Hotels, Pensionen und Ferienhäuser verfielen und eilig errichtete Barackenlager und riesige Zeltplätze boten einfache Unterkünfte für viele Usedom-Urlauber.
Die kleineren Usedomer Seebäder - so auch die Bernsteinbäder - wurden zwar von diesen Entwicklungen tangiert, jedoch blieben in ihrer Ursprünglichkeit weitgehend unberührt. Ihre landschaftliche Lage auf der Ostseeinsel Usedom blieb nach wie vor ihr Alleinstellungsmerkmal.
Nach 1990 begann eine Phase der Neuordnung von Eigentumsrechten und Eigentümern, von Abbruch und Sanierung, von Neubau und Infrastrukturentwicklung auch auf der Insel Usedom. Die kleineren Seebäder Trassenheide, Zempin, Loddin und Ückeritz schlossen diese und jene Lücke in der bestehenden Bebauung, dehnten sich jedoch nicht wesentlich aus. Den Usedomer Ostseebädern Koserow und Karlshagen dagegen gelangen der Anschluss an die flächenmäßige Ausdehnung.
So kann jeder Erholungssuchende auf Usedom aussuchen, ob ihm das quirlige, städtische Leben in den großen Ostseebädern, das Sehen und Gesehenwerden, die Pracht von Bädervillen und Seebrücken lieber ist, als Ruhe und Naturnähe. Kurze Wege und eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur auf der Insel Usedom erlauben fast immer das Betrachten und Genießen dessen, was man ganz bewusst nicht gewählt hatte ...
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